Wartezeitminimierung

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Lange Warteschlangen – vornehmlich zeitlich gesehen – sind für die Besucher von Vergnügungsdestinationen ein Gräuel, schließlich werden sie durch diese gefühlt in ihrer Entscheidungs- und tatsächlich in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Ein passendes Warteschlangendesign hilft über einige Unannehmlichkeiten hinweg, doch das wirkliche Ziel ist Warteschlangenminimierung. Die vier wesentlichen Möglichkeiten hierzu sind Vordrängeln, virtuelles Warten, Kapazitätsausnutzung und Zielgruppenverkleinerung. Die nachfolgende Betrachtung der Problematik Wartezeitminimierung erfolgt auf der Grundlage der Annahme eines Freizeitparks mit nicht beeinflussbarer Besucherzahl und -interessen.

Vordrängeln ist die einfachste Art der Wartezeitverkürzung, allerdings funktioniert sie ausschließlich bei subjektiver Betrachtung. Ein sich vordrängelndes Individuum verlängert die Wartezeit der Gruppe; welche im Gegenzug das Verhalten nicht sonderlich wohlwollend aufnimmt (allerdings gibt es hier international kulturell bedingte Unterschiede). Manche Parks warnen vor dem Vordrängeln und drohen mit einem möglichen Rausschmiss, verkaufen jedoch gleichzeitig Tickets, die den Inhaber zum Umgehen einer Warteschlange berechtigen. Aus dem durchaus vorhandenen Trieb sich vordrängeln zu wollen, wird also Kapital geschlagen. Dabei steht die Überlegung „Je länger die Wartezeit ist, desto mehr Umsatz lässt sich durch den Verkauf der Tickets generieren“ im Kontrast zu „Wenn die Besucher nicht zu lange warten müssen, haben sie ein erfreulicheres Erlebnis“. Gewisses Konfliktpotential ist also auf alle Fälle gegeben.

Nicht nur der Gast kann etwas zu geringeren Wartezeiten beitragen, sondern auch das Operations-Team, sofern die richtige Organisation dahinter steht. Eine schnelle Abfertigung kann bei vielen Attraktionen etwas bewirken. Am eindrucksvollsten zeigt Disney, dass mit ausreichend Personal und ein wenig Knowhow auch größere Besuchermassen zu managen sind. Effektiv ist insbesondere die Vorsortierung der Fahrgäste auf spezifische Sitzplätze, so dass zum Beispiel ein Achterbahnzug komplett gefüllt ist, womöglich unter Zuhilfenahme einer Single Rider Line. Ein sinnvolles Gepäckmanagementsystem und auch die Abhandlung von Sonderfällen wie dem Zustieg von Behinderten oder der Einsortierung von Kindern, die nur in Begleitung Erwachsener mitfahren dürfen, gehört dazu. Zusätzliches Personal und Standardroutinen sind dazu allerdings notwendig. Space Mountain im Disneyland verwendet noch einen zusätzlichen Trick, um Verzögerungen zu minimieren. Der Stationsbereich umfasst weit mehr Haltepositionen für die Züge als grundsätzlich nötig. Zwischen Ein- und erster Ausstiegsposition befindet sich ein Puffer, so dass der nächste Zug immer gleich bereit steht. Und noch vor der Einstiegsposition gibt eine weitere Haltestelle, welche genutzt werden kann, um die Haltebügel zu kontrollieren, wenn der Einstieg selbst einmal zu lange gedauert haben sollte. Purer Luxus im Falle Space Mountains ist dazu noch die zusätzliche Halteposition auf einem Abstellgleis, die Rollstuhlfahrern eine entspannte Möglichkeit zur Attraktionsnutzung gibt.

Reservierungssysteme erlauben ein virtuelles Warten. Die Betreiber vereinbaren mit den Gästen eine Nutzungszeit, so dass diese nicht in der Schlange stehen müssen und die eigentlich fällige Wartezeit anderweitig nutzen können – beispielsweise zum Schlangestehen an anderer Stelle, was die Gesamtwartezeit des Systems Freizeitpark im Zweifel erhöht, aber auch dazu führen kann, dass Attraktionen ausgelastet werden, die sonst zu wenig Besucher anziehen würden. Mehrere Dinge sind beim Einsatz von Reservierungssystemen zu beachten, sollen sie erfolgreich sein: Zuerst einmal muss sicher gestellt werden, dass alle Gäste von derartigen Systemen in Kenntnis gesetzt werden, um gleiche Bedingungen für alle zu schaffen. Dann stellt sich die Frage, inwieweit die Gesamtkapazität einer Attraktion komplett oder nur in Teilen zur Reservation freigegeben werden sollte. Vollständig reservierbare Attraktionen haben den Nachteil, dass sie bei Nichtnutzung einer Reservierung einen Teil ihrer Kapazität ungenutzt lassen. Zudem haben spät erscheinende Gäste keinerlei Möglichkeit zur Nutzung nachdem alle Reservierungen bereits vergeben wurden. Disneys Fastpass-System umgeht diese Nachteile dadurch, nur einen Teil der Plätze zur Reservierung auszuschreiben. Dieses Vorgehen hingegen verlangt eine gewisse Mindestkapazität, schließlich entstehen sonst zu lange Wartezeiten bei und damit Unmut.

Als letzte Maßnahme zur Wartezeitverkleinerung sei die Zielgruppenverkleinerung vorgestellt. Dazu gibt es mehrere Herangehensweisen: Zum einen lassen sich künstlich Nutzungsbeschränkungen schaffen. Höchstgewicht, Mindestalter oder Mindestgröße lassen sich gegenüber potentiellen Fahrgästen einigermaßen kommunizieren. Bei auf Kinder abgestimmten Attraktionen, wenn sie erwachsenen-tauglich sind, ist auch ein Ausschluss von reinen Erwachsenengruppen denkbar, um die Wartezeit für die kleinere und quengeligere Zielgruppe akzeptabel zu halten. Allerdings gibt es dabei zu beachten, dass man so auch schnell für Missstimmungen sorgen kann, insbesondere bei kleinen Achterbahnen, denn gerade dieser Attraktionentyp ist eigentlich immer bei Groß und Klein beliebt. Allgemein stellt sich die Frage, ob man als Betreiber Interesse daran haben sollte, den Wünschen der Kunden auf Attraktionsnutzung entgegen zu wirken.

Zum anderen bietet sich die Möglichkeit, die Zielgruppe einer Attraktion dadurch einzuschränken, einen höheren Eintrittspreis für diese aufzurufen. Im Fort Fun beispielsweise werden die Besucher durch eine kleine Gebühr von Mehrfachfahrten auf dem Wild Eagle abgehalten. Und auch bei Extremattraktionen wie Skycoastern ist es üblich, dem Extremerlebnis durch eine Gebühr auch in Freizeitparks mit Pauschaleintrittspreisen eine gewisse Exklusivität zu verleihen. Wegen der eh schon kleinen Zielgruppe und dem augenscheinlichen Aufwand lässt sich diese noch einigermaßen kommunizieren. Allgemein ist das Verständnis solcher Maßnahmen bei den Besuchern von Angeboten mit einem Pauschaleintrittspreis aber eher schwer zu wecken – vor allem wenn damit keine fühlbare Wartezeitverkürzung verbunden ist, die sich für viele Besucher mangels Vergleichsmöglichkeit als Kurzwarteschlange darstellen muss. Eine Ausnahme mögen Zusatzattraktionen bei Sonderevents wie zum Beispiel Grusellabyrinthe zur Halloween-Saison sein.

Die Zielgruppenverkleinerung ist die einzige Maßnahme, welche tatsächlich dafür sorgen kann, dass weniger potentielle Nutzer eine Attraktion frequentieren. Und selbst diese kann mitunter nicht dafür sorgen, dass die Wartezeit geringer wird, da manche Attraktionen eine Art natürliche Höchstwartedauer haben. Diese ist dadurch gegeben, dass der gemeine Besucher nicht bereit ist, länger als eine spezifische Zeitspanne auf die Nutzung zu warten. Fallen nun also einige potentielle Nutzer weg, so wird deren Platz von anderen eingenommen. Dieses Verhalten ist auf den ersten Blick ein wenig seltsam, da die akzeptierte Höchstwartedauer individuell für den einzelnen Besucher ist. Häufig wird jedoch allgemein eine Warteschlange, die aus dem abgesperrten Wartebereich heraus ragt, als übertrieben empfunden, so dass eine Angleichung stattfindet.

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