Attraktionsdauer

Attraktionsdauer

 

Bei langer Wartezeit bei einer mittleren Familienachterbahn den Zug jeweils zwei Runden fahren zu lassen, scheint auf den ersten Blick keinen großen Sinn zu machen, weil dabei einiges an Kapazität verschenkt wird. Wird jedoch eine Schiffschaukel zur Betrachtung heran gezogen, so erscheint die Fragestellung nach der geeigneten Fahrtdauer in einem andern Licht. Schließlich mag niemand – außer den Fahrgästen mit empfindlichen Mägen versteht sich – die Fahrt sofort abgebrochen sehen, wenn die Schaukel zum ersten Mal den höchsten Punkt der Fahrt erreicht hat. Auf dem Höhepunkt ist das Erlebnis am intensivsten und das mag ausgekostet werden. Ein paar Schwünge mehr, die im Vergleich zur sonstigen Fahrt- und vor allem Fahrgastwechselzeit nicht sonderlich ins Gewicht fallen, steigern das Erlebnis deutlich und rechtfertigen somit auch eine längere Wartezeit.

Dieses Beispiel zeigt nicht nur, dass Erlebniszeit und Wartezeit in einem gesunden Verhältnis stehen müssen, sondern insbesondere die Erlebnisintensität betrachtet werden muss. Als Erlebniszeit ist nicht nur die reine Fahrtzeit zu sehen, sondern auch die Vorfreude (bzw. allgemein der Stimmungsaufbau) und die bleibende Nachwirkung. Darstellen lässt sich dies gut anhand des SCAD-Towers. Hierbei handelt es sich um eine Vorrichtung, die den kontrollierten freien Fall ohne Seil von einer hohen Plattform in ein doppeltes Netz hinein erlaubt. Die Fahrtzeit ist hier mit ungefähr zwei Sekunden (abhängig von der Fallhöhe) besonders kurz. Die Vorbereitung mit Anlegen der Sicherheitswesten, das Erklimmen der Ausgangsposition und die Verarbeitung des Erlebnisses im Nachhinein lassen die Erlebniszeit jedoch vergleichsweise lang werden. Über Zweifel an der Erlebnisintensität ist der SCAD-Tower absolut erhaben, entsprechend hoch ist der Erlebniswert.

Interessanter Weise kann die Intensität der ein oder anderen Attraktion aber auch durch eine gewisse Fahrtdauer aufgebaut werden. Bei Autoskootern beispielsweise braucht es am Anfang erst mal ein wenig Zeit, bis sich „Feindschaften“ herausgestellt haben, mit denen das Rammen der anderen Fahrzeuge erst richtig Spaß macht. Zudem bieten Autoskooter durch sich ständig neu ergebende Situationen auf der Fahrfläche ein gutes Beispiel dafür, dass Abwechslung im Ablauf einer Attraktion wesentlich für die Attraktivität einer hohen Fahrtzeit ist. Allgemein kommt es auf den richtigen Aufbau einer Spannungskurve an. Die besten Achterbahnen leben nicht nur von einer guten ersten Abfahrt und Karussellfahrten auf Volksfesten werden von den Rekommandeuren akzentuiert. Insofern ist es auch unverständlich, wenn bei einer Themenfahrt mehr Fahrzeuge eingesetzt werden als es die Kapazität des Stationsbereiches zulässt und sich somit vor dem Ausstiegsbereich Wartezeiten ergeben, in denen sich die Fahrgäste vor dem Aussteigen langweilen und fragen, warum es nicht vorwärts geht.

Langeweile lässt sich nicht nur durch Segmentierung der Wahrnehmungsperioden bekämpfen, sondern auch durch eine klare Definition der Zielgruppe der Attraktion. Eftelings Gondoletta zum Beispiel ist klar als gemütliche Bootsfahrt ohne spannende Momente zu erkennen. Entsprechend darf die Fahrt auch lange dauern, da die Jugendlichen gar nicht erst einsteigen. Diese Art von Zielgruppendefinition steht im Gegensatz zu den zuvor genannten Gedanken zur Adaption der Fahrtzeit auf die Besucherschaft. Hierzu sei abschließend noch erwähnt, dass natürlich auf die Belastbarkeit der Fahrgäste Rücksicht genommen werden sollte. Aber das erklärt noch immer nicht, warum Fahrten in Breakdancern – dem Kirmesfahrgeschäft schlechthin – in Freizeitparks fast grundsätzlich kurz und eintönig sind.

  1. Thilo sagt:

    Schreibst du in Zukunft noch weitere Einträge oder eher nicht mehr? Bis jetzt sind die alle sehr lesenswert.

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