Warteschlangenlänge

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Der Begriff Warteschlangenlänge lässt sich auf drei verschiedene Weisen interpretieren. Zum einen wäre da die bauliche Länge des Wartebereichs, zum anderen die Länge der Schlange der anstehenden Personen. Und letztendlich kann man letztere auch noch auf die Kapazität der Attraktion normieren und somit auf die Wartedauer zielen. Die Frage nach der optimalen Kapazitätsnutzung – was nicht immer mit der Schaffung einer möglichst hohen Kapazität gleichzusetzen ist – wurde bereits an anderer Stelle diskutiert, aber zumindest das Wartezeitempfinden sei kurz beleuchtet, da dieses nicht nur mit dem Ambiente, sondern auch mit der Bauform im Zusammenhang steht.

Eine sich schnell bewegende Schlange wirkt angenehmer als eine lange still stehende. Es geht immer merklich vorwärts und die Wartenden können sich die Füße vertreten, anstatt sich diese platt zu stehen. Eine sich kontinuierlich bewegende Schlange hingegen ist ab einer gewissen Länge allerdings nicht das Idealziel, schließlich sind Warteschlangen ein Kommunikationsraum und wenn die Wartenden ständig hintereinander her laufen, so ist dies wenig unterhaltsam. Ebenfalls angenehm wirkt sich eine bauliche Trennung von Wartebereichteilen aus. Der Wartende überschaut so nicht die ganze Schlange und empfindet Teilerfolge, wenn die einzelnen separierten Abschnitte bewältigt sind. Aber auch hier sollte nicht übertrieben werden, denn bei zu vielen Abschnitten kommt irgendwann das Gefühl auf, dass die Warterei nie ein Ende nimmt.

Dem kann durch die Verkündung der Wartezeit am Anfang der Schlange vorgebeugt werden. So weiß der Wartewillige von vornherein, worauf er sich einlässt. Interessant ist hierbei der mitunter angewendete Effekt der Übertreibung der Angabe. Die Wartenden freuen sich am Ende, dass sie weniger Zeit in der Schlange verbracht haben, als angekündigt wurde. Zudem lassen sich womöglich einige potentielle Gäste durch die zu hohe Angabe abschrecken, wodurch eine Möglichkeit entsteht, die Warteschlangenlänge – wenn auch nur marginal – zu regeln. Von maßlosen Übertreibungen ist jedoch abzuraten, da die Gäste dies durchschauen und das Informationssystem in Folge nicht mehr ernst nehmen werden, so dass es obsolet werden würde.

Es gibt eigentlich nur zwei Anstellhemmnisse: Eine ersichtlich zu lange Wartezeit und die Erwartung einer zu langen Wartezeit. Eine Regulierung der Wartezeit bei gleichbleibender Kapazität er Anlage erscheint entsprechend schwer und es gibt neben der Darstellung der Wartezeit tatsächlich nur wenige Möglichkeiten einzugreifen: Zum einen lassen sich virtuelle Warteschlangen einführen (Disneys Fastpass oder auch das Nummernziehen beim Amt dienen als Beispiele), welche es ermöglichen, die eigentliche Wartezeit anderweitig zu nutzen. Nachteilig bei Reservierungssystemen, als solche können die virtuellen Warteschlangen auch gesehen werden, ist jedoch, dass die Kontingente frühzeitig erschöpft sein und Nachteile für diejenigen entstehen können, die sich nicht frühzeitig eine Reservierung sichern konnten. (Eine ausführliche Erörterung des Themas wird noch folgen.)

Die andere Möglichkeit des Eingriffs ergibt sich durch die Kürzung der baulichen Warteschlange auf ein gesundes Maß. Quillt die Masse der Wartenden aus dieser heraus, so ist dies ein augenscheinliches Zeichen von Überfüllung. Dass dies bei überaus beliebten Attraktionen jedoch einfach mal gar nicht funktioniert, zeigt zum Beispiel Eftelings Droomvlucht, wo insbesondere früher noch bei Nutzung des alten, kürzeren Wartebereichs in der Halle sich die Schlange immer mal wieder über den kompletten Vorplatz an der Eisenbahnstation vorbei erstreckte. Andere Parks nutzen in solchen Fällen gerne mobile Poller, wie sie auch auf Flughäfen gerne eingesetzt werden.

Diese wirken in der Regel provisorisch und laden dazu ein, einfach mal drunter her oder oben drüber zu klettern um ein wenig Wartezeit zu sparen, allerdings wäre die Alternative in der Regel die Schlange ohne jede Führung einfach sich selbst zu überlassen, was die Probleme in der Regel nur noch verstärkt. Zu bevorzugen ist deswegen ein bewusst baulich eigentlich zu lang geratener Wartebereich, dessen Länge sich durch absperrbare Abschnitte variabel gestalten lässt. Die Erfahrung zeigt, dass es durchaus von Vorteil ist, wenn die Gäste die Wegeführung nicht selbst ändern können, denn dies kann einerseits zu durchaus kreativen Streckenführungen führen, die völlig unbrauchbar sind. Andererseits bietet sich ihnen so auch die Gelegenheit, bei gefüllter Schlange komfortabel vordrängeln zu können.

Bezüglich einer Sache kann die Einführung der Zusatzwartepassagen jedoch unpraktisch werden: Wenn in der Schlange Storytelling betrieben wird und der Gast auf die Attraktion vorbereitet werden soll, dann wäre es kontraproduktiv, dem Gast Teile der Geschichte durch die Abkürzungen an schwach besuchten Tagen vorbei zu führen – ein Problem, das auch immer wieder bei Single Rider Lines auftritt.

  1. Sören sagt:

    Wobei es ja durchaus möglich ist, Single Rider Lines erst aus der Warteschlange herraus abzweigen zu lassen (siehe FvN.) Wobei dies natürlich letztlich nicht im Sinne des Erfinders ist.

    Vielleicht hätte man noch erwähnen können, dass vor allem lange Warteschlangen durch entsprechendes Theming oder Unterhaltung subjektiv sehr verkürzt werden können, was dem Besucher auch bei Wiederholungsfahrten im Kopf bleibt und er sich auch für volle/ zu volle Warteschlangen einreiht.

    Auf jeden Fall ein sehr interessantes Thema und ein guter Bericht.

    • Ralph Latotzki sagt:

      Das wird sicher nicht mein letzter Beitrag zum Thema Warteschlangen sein. Ich werd die angesprochenen Themen an anderer Stelle aufnehmen.

  1. […] Warteschlangen besser aus, als es mir lieb ist. Wer sich dafür interessiert, kann sich mal diesen Artikel von Ralph Latotzki ansehen. © Felix Lüneberger: Unnötige Warteschlange in einem Freizeitpark in […]