Wasserrutschen

Wasserrutsche

 

Über die Ausnahmestellung von Achterbahnen in Freizeitparks wurde bereits – auch an dieser Stelle – genug geschrieben. Mit Blick auf Wasserrutschen mag sei der Punkt aber noch einmal ausgegraben, dass Achterbahnen sich nicht nur großer Beliebtheit, sondern auch großer Aufmerksamkeit erfreuen. Auf diesem Wissen baut Cedar Point auf, das durch die stetige Erweiterung mit auffälligen Achterbahnen eine Ausnahmestellung in der Wahrnehmung erreicht hat. Nicht nur die Anzahl der Bahnen ist rekordverdächtig, sondern auch ihre Ausmaße. Dass dieses Konzept weltweit nur wenig Nachahmer findet und die meistbesuchten Parks eher Themenwelten wie das Disneyland sind, wo das technische Erlebnis in den Hintergrund gerät, wirft mehrere Fragen auf: Haben Achterbahnen eine zu kleine Zielgruppe? Das ist eher unwahrscheinlich, schließlich gibt es sie in unterschiedlichen Intensitäts-Leveln. Sind Achterbahnen auf Dauer nicht unterhaltsam genug? Hier lässt sich mit Thematisierung einiges erreichen, wie Big Thunder Mountain zeigt (um bei Disney-Beispielen zu bleiben). Sind Achterbahnen nicht abwechslungsreich genug? Man könnte nun die ganzen verschiedenen Achterbahntypen wie Bobbahn und Virginia Reel aufzählen. Aber eine andere, damit in Zusammenhang stehende Frage ist viel interessanter: Warum funktionieren Wasserparks?

In der Regel bestehen diese aus einer großen Ansammlung von Wasserrutschen, entsprechen also annähernd dem Konzept des Achterbahnparks. Oberflächlich betrachtet zumindest, denn eigentlich liegt der Fokus bei einem Wasserpark auch auf Erholung. Man verbringt seine Zeit auf der Wiese oder auf einer Liege und entspannt ein wenig, dümpelt dann im Lazy River oder Wellenbad rum und spielt im Pool oder einer Kletterlandschaft mit kleinen Rutschen, Fontänen und allerlei Kurzweil. Der wesentliche Unterschied zum Attraktionspark ist also, dass selbst bei einer großen Ansammlung von Rutschen noch genügend Erlebnis- und Erholungszeit zwischen den scheinbaren Hauptattraktionen übrig bleibt und sich nicht nur Schlange stehen und Achterbahnfahren abwechseln (Dass es selbst in Cedar Point noch genügend andere Attraktionen gibt, ändert an der grundsätzlichen Betrachtung nur wenig).

Ob einem herkömmliche Freizeitparks oder doch die eher neumodischen Wasserparks besser gefallen, muss jeder selbst wissen. Ein Vergleich zwischen Achterbahnen und Wasserrutschen erscheint aber trotzdem sinnvoll, schließlich ähneln sie sich und sind beide definierende Elemente der jeweiligen Parkgattung.

Das klassische Achterbahnerlebnis startet mit einem langsamen Spannungsaufbau: Von außen wird die Anlage erst einmal begutachtet und der Beschluss gefasst, sich dem Erlebnis hinzugeben. In der Warteschlange wird auf den Start hin gefiebert und auf dem Lift langsam dem nahenden (scheinbaren) Unheil ins Auge geblickt. Dann geht es bergab und der Fahrgast ist dem ausgesetzt, was der Achterbahnkonstrukteur sich ausgedacht hat. Er wird im Sitz hin und her geworfen und hat keine Kontrolle mehr über das Geschehen. Er spürt die Fliehkräfte, wird aber letztendlich vom Haltebügel vor wirklichem Unheil geschützt. Bei der Wasserrutsche ist dies ganz ähnlich, allerdings ist deutlich mehr Eigeninitiative gefragt: Erst muss man Treppen steigen und sich dann auch noch selbst in die Tiefe stürzen. Des Weiteren ist das Erlebnis viel direkter, da man nicht gesichert in einem Wagen sitzt, der auf der Schiene fährt, sondern in den meisten Fällen direkten Kontakt zur Rutsche hat. Und selbst wenn man auf einem Reifen oder in einem kleinen Boot sitzt, so ist Komfort doch häufig ein Fremdwort. Zudem ist nicht immer ausgeschlossen, dass der Reifen einen abwirft. Das Erlebnis ist also irgendwie direkter und sogar aktiv zu beeinflussen. Zudem ist es schwieriger, eine Rutsche passend zu berechnen, da Rutschtechnik auch das Gewicht der Rutschenden die Geschwindigkeit deutlich beeinflussen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass es für den ein oder anderen bei gering geneigten Rutschen durchaus möglich ist, in Geschwindigkeitsbereiche vorzustoßen, für die diese gar nicht vorgesehen sind.

Es bleibt die Frage zu klären, welche der beiden (generischen) Attraktionen mehr Thrill bietet. Ganz eindeutig ist dies nicht zu beantworten. Achterbahnen sind in der Regel höher, steiler und schneller, so dass Personen mit Höhenangst wohl eher die Achterbahnen nennen würden. Mit der Überlegung, dass man sich eine Wasserrutsche in der Regel selbst herunter stürzen muss und das Erlebnis wie bereits beschrieben viel direkter ist, sieht die Sache schon anders aus. Ein Falltürstart ist fast noch nervenaufreibender als das Warten auf den Abschuss eines Achterbahnzuges auf einer Beschleunigungsstrecke. Und die Tatsache, dass man aus einer Wasserrutsche nur schlecht rausschauen kann, selbst wenn die Röhre nicht geschlossen ist, so dass man anders als bei Achterbahnen nur schwer im Voraus sieht, was passiert, lässt die interessanten Wasserrutschen endgültig bezüglich des Thrill-Faktors gewinnen.

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